Aktionsgruppe: Wir sind bunter als der Vatikan

Vermutlich haben auch Sie bereits die bunte Fahne und das Banner an und neben unserer Kirche entdeckt. Möglicherweise haben Sie sich gefragt, wie diese Aktion zu Stande gekommen ist und wer damit in Verbindung zu bringen ist.

Die Kirche besteht aus vielen unterschiedlichen Individuen, die auf Grund ihrer Sprache, Herkunft oder ihrem soziokulturellen Hintergrund gänzlich verschieden sind. Nicht immer hat die Kirche diesen Verschiedenheiten Beachtung geschenkt. Noch weniger hat sie Meinungen zugelassen oder gar Veränderungen genehmigt. So erscheint es dem externen Beobachter, der ein Bild vor Augen hat, das ihm die Medien vermittelt haben, dass die Kirche in der Vergangenheit stehen geblieben ist und Veränderungen gänzlich ausschließt.

Aber um Veränderungen wurde in der Kirche immer gerungen und sie wurden nach umfangreicher Prüfung auch umgesetzt. Dabei geht es für die Verantwortlichen, die in der Kirche die Entscheidungsbefugnis haben, nicht nur um das Jetzt, sondern auch um die Frage wie die Kirche in der Vergangenheit mit diesem Thema umgegangen ist. Nicht jede Entscheidung kann einfach revidiert werden und nicht jede Entscheidung basiert auf rein demokratischen Prinzipien. Die Vergangenheit hat für die Kirche die gleiche Bedeutung wie die Zukunft oder die Gegenwart. Dies mag auf den ersten Blick als antiquiert wahrgenommen werden. Vielmehr bringt dieses schwierige Ringen um Veränderungen eine Beständigkeit mit sich, die es auf der Welt in keiner vergleichbaren Organisation gibt.

Politiker denken in Wahlperioden, die Verantwortlichen in der Kirche (und insbesondere in Rom) denken in Generationen oder gar Jahrhunderten. Zum Teil sind die Verantwortlichen gar an die Anweisungen ihrer Vorgänger gebunden. Für uns Individuen mit Wünschen im Hier und Jetzt mag das manchmal anstrengend sein. Aber es bringt auch die Sicherheit, Beständigkeit und Tradition mit sich, die wir ebenfalls zu schätzen wissen wollen.

Die Jugendlichen, die das Aktionsbündnis ins Leben gerufen haben, wünschen einen Dialog über die Fragen, die sie persönlich bewegen. Der Laienrat und der Kirchenvorstand von St. Gertrudis haben sich entschieden diesem Dialog einen Raum zu geben. Denn in dieser schwierigen Zeit, die leider so sehr von Kirchenaustritten geprägt ist, gibt es keine richtige Antwort auf die Fragen unserer Zeit.

Ob Sie diese Meinung teilen oder nicht, das bleibt Ihnen überlassen. In der Kirche finden Sie Postkarten für Rückmeldungen. Die Jugendlichen wünschen den Dialog und Ihre Rückmeldung! Bitte beteiligen Sie sich. Fühlen Sie sich nicht angegriffen. Verurteilen Sie nicht. Die Jugendlichen bitten Sie um Ihr Verständnis!

Im Zusammenhang mit dem Thema empfiehlt sich das Interview mit Kardinal Schönborn im ORF: „Ist das nicht ein Wert (…), bitte redet weniger über Sexualität und mehr über Liebe, redet mehr über gelungene Beziehung und weniger über das ist erlaubt und das ist nicht erlaubt.“ Den Beitrag finden Sie unter diesem Link: https://religion.orf.at/stories/3205612/

In der Hoffnung damit eventuelle Unklarheiten beseitigt zu haben, finden Sie nachstehend den Beitrag der Aktionsgruppe:


Aktuell sind mehrere Themen zu den Entwicklungen innerhalb der katholischen Kirche in Nachrichten und sozialen Medien präsent. Jüngst
hat ein Schreiben der Glaubenskongregation, welche den Umgang mit
gleichgeschlechtlicher Liebe in der katholischen Kirche thematisiert,
für großes Unverständnis gesorgt. In dem Schreiben wurde sich für ein
klares „Nein“ zum Segen für gleichgeschlechtliche Liebe innerhalb der
katholischen Kirche ausgesprochen.


Deshalb möchten wir, eine zehnköpfige Gruppe junger Christinnen
und Christen, Stellung dazu beziehen: Unter dem Motto „Wir sind bunter als der Vatikan“ möchten wir an jeder Kirche im Pastoralverbund Iserlohn eine bunte Flagge hissen.
Die Flagge soll als Zeichen für Aufbruch, Veränderung und Frieden stehen. Es geht um Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen. Sie steht für die Hoffnung und Sehnsucht, dass der Segen Gottes für alle Menschen gleichermaßen gilt.


Ziel ist es, die Kirche in Iserlohn für dieses Thema zu sensibilisieren und
einen Denkprozess in Gang zu setzen. Wir wünschen und hoffen, dass
die Menschen aufmerksam werden und sich mit uns auf einen Weg
begeben, den wir gemeinsam gehen möchten. Unser Anliegen ist es, einen Wachstumsprozess in Gang zu setzen, denn Stillstand bedeutetfür uns Rückgang.


Unser Vorhaben möchten wir mit einem Videoclip erläutern und aufgreifen.
Das Video finden Sie hier auf unserem YouTube-Kanal „Pastoralverbund Iserlohn“